Areopagrede

. Die Rede, die Lukas in Apg 17, 22–31 Paulus auf dem Areopag (d.h. dem »Areshügel«, der ehemaligen höchsten Gerichtsstätte, zugleich aber auch der Name für ein Gremium) in Athen halten läßt, ist zu Recht der hellenistischste Teil des hellenistischsten Buches des NT genannt worden. Unter Verwendung...

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Main Author: Horst, P.W. van der (Author)
Format: Electronic Dictionary entry/article
Language:German
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Published: 2015
In: Religion in Geschichte und Gegenwart online
Year: 2015
Online Access: Volltext (lizenzpflichtig)
Volltext (lizenzpflichtig)
Description
Summary:. Die Rede, die Lukas in Apg 17, 22–31 Paulus auf dem Areopag (d.h. dem »Areshügel«, der ehemaligen höchsten Gerichtsstätte, zugleich aber auch der Name für ein Gremium) in Athen halten läßt, ist zu Recht der hellenistischste Teil des hellenistischsten Buches des NT genannt worden. Unter Verwendung eines Aratuszitats, stoischer Gedanken (Stoa) und allg. hell.-philos. Terminologie (siehe z.B. V.25 und 28) will Lukas den Lesern einen Eindruck davon vermitteln, wie sehr der Apostel sich bemüht hat, im Zentrum der hell. Kultur das Evangelium in der Sprache der Gebildeten zu verkündigen. Daß die Rede, die sich als ein Textbuchbeispiel des rhetorischen »genus deliberativum« lesen läßt (prooemium [mit captatio benevolentiae] V.22–23, narratio V.24–29, peroratio V.30–31), nicht eine Schöpfung des Apostels, sondern des Vf. der Apg ist, darf als gesichert gelten. Die Kontexteinbettung führt in ein Idealathen der klassischen Zeit. So werden u.a. Sokratesreminiszenzen evoziert, z.B. dadurch, daß Paulus Passanten auf der Agora anspricht und interessierte Athener sich fragen, ob Paulus ein Herold fremder Götter sei (V.18, vgl. Plato apol. 24B). Nicht zufällig trifft Paulus auch auf Epikureer und Stoiker, Vertreter der führenden philos. Schulen. In der Einleitung knüpft der Redner an eine Altarinschrift an: »Dem unbekannten Gott«« (Agnostos Theos). Paulus gibt dieser Widmung eine neue Bedeutung, indem er seinen Hörern deutlich zu machen versucht, daß dieser unbekannte Gott kein anderer sei als der Gott der Juden und Christen. Tatsächlich hatte die Verehrung unbekannter Götter einen spezifischen Hintergrund: Aus Furcht, sich den Unwillen irgendeiner Gottheit zuzuziehen, von deren Dasein man nichts wußte, wurden in der hell.-röm. Periode auch »unbekannten Göttern« Altäre gewidmet. Jedenfalls hebt Lukas hier geistige Anknüpfung an die rel. Umwelt als legitimes Verfahren in der urchristl. Mission hervor, wie er das in V.28 auch mit dem Zitat aus Aratus' »Phainomena« und den Anspielungen auf Kleanthes tut. Damit hat er den Ton für die späteren christl. Apologeten angegeben. Die ganze Rede ist zudem stark von atl. Gedanken geprägt: Gott als Schöpfer und als Herr des Himmels und der Erde, der die Grenzen der Völker festsetzt und den Götzen weit überlegen ist usw. Sie setzen teils Gegengewichte zu vergleichbaren stoischen Konzepten und verleihen der ganzen Rede eine gewisse Doppelbödigkeit. Erst ganz am Ende erhält die Rede eine spezifisch christl. Wendung, wenn Paulus über Auferstehung und Gericht spricht (V.31). Es ist genau dieser Punkt, an dem die Zuhörer Anstoß nehmen und dessentwegen sie Paulus verspotten, so daß seine Missionsarbeit ohne nennenswerten Erfolg bleibt. Doch gelingt die Gewinnung des Dionysos Areopagita, dem eine große Nachwirkung beschieden sein sollte, und einer Frau namens Damaris (V.34).
ISSN:2405-8262
Contains:Enthalten in: Religion in Geschichte und Gegenwart online
Persistent identifiers:DOI: 10.1163/2405-8262_rgg4_SIM_01026