Amenophis IV. (Echnaton)

(Echnaton). Äg. König der 18. Dynastie, regierte 1352–1336 v.Chr. Der als »Ketzerkönig« bezeichnete Herrscher führt im Nilland die erste monotheistische Rel. der Menschheitsgesch. ein. Als Sohn Amenophis' III. und der Königin Teje kann er die Thronfolge nur antreten, weil sein älterer Bruder Th...

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Bibliographic Details
Main Author: Schlögl, Hermann A. 1932-2023 (Author)
Format: Electronic Dictionary entry/article
Language:German
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Published: 2015
In: Religion in Geschichte und Gegenwart online
Year: 2015
Online Access: Volltext (lizenzpflichtig)
Volltext (lizenzpflichtig)
Description
Summary:(Echnaton). Äg. König der 18. Dynastie, regierte 1352–1336 v.Chr. Der als »Ketzerkönig« bezeichnete Herrscher führt im Nilland die erste monotheistische Rel. der Menschheitsgesch. ein. Als Sohn Amenophis' III. und der Königin Teje kann er die Thronfolge nur antreten, weil sein älterer Bruder Thutmosis gestorben ist. Nach einem konventionellen Regierungsanfang beginnt er im 3. Jahr in Karnak, östlich des großen Amunheiligtums, mit dem Bau eines riesigen Tempels, dessen Dekoration in einem neuen, von nun an bestimmenden, expressionistischen Kunststil ausgeführt wird; geweiht ist er dem Gott Aton. Aton bezeichnet urspr. die Sonnenscheibe, wird aber in der 18. Dynastie vereinzelt als Erscheinungsform des Sonnengottes verstanden. Jedoch die Schöpfung der Gottesgestalt des Aton bleibt das alleinige Werk A.'. Aton manifestiert sich im abstrakten Bild der Strahlensonne, deren Strahlenenden in menschliche Hände übergehen. In einzelnen Schritten treibt A. seine Reformation voran. Zunächst wird der Reichsgott Amun gestürzt und durch Aton abgelöst. Im 5. Jahr gründet der König in Mittelägypten bei Amarna eine neue Hauptstadt, die er Achetaton (»Lichtort des Aton«) nennt. Zur gleichen Zeit legt er seinen Geburtsnamen Amenophis ab, weil der Name des Amun in ihm enthalten ist. Er nennt sich von nun ab Echnaton bzw. in korrekter Vokalisation Achanjati (»Glanz des Aton«). Der Gott erhält einen mehrfach abgeänderten dogmatischen Namen, eingeschrieben in zwei Königsringe. Die bestehende absolutistische Königsideologie ist so in eine kultisch-rel. Sphäre übertragen. Aton ist ein König, der über allen Königen steht. Er benötigt keine Göttin als Partnerin wie andere äg. Götter, und es gibt für ihn keinen Feind. Er ist das Licht, das die Welt durchdringt, jedes Leben schafft und erhält. Der Gott selbst bleibt stumm, hat aber in A. seinen Künder und Propheten. Nach dem 9. Jahr schaltet A. alle anderen Gottheiten des Landes aus, schließt ihre Tempel und, um ihr Andenken ganz zu tilgen, schickt Kolonnen von Steinmetzen durch das Land, ihre Abbilder und Namen auszuhacken. Auch der Pl. »die Götter« wird z.T. gelöscht. Es entwickelt sich ein planmäßiger Monotheismus und ein Gottesstaat, in dessen Mittelpunkt Aton, der Gott des universalen Lichts, und der König stehen. Das »Hohe Lied« der neuen Rel., der sog. Sonnengesang, vom König selbst verfaßt, beschreibt eindrücklich das Wesen des Gottes. Spuren dieses Hymnus finden sich im 104. Ps des AT. Die herausragende Stellung des Königs ist die einer Mittlergottheit zwischen dem in die Unerforschlichkeit entrückten Gott Aton und den Menschen. Auch die königliche Familie ist in diese Sonderstellung miteinbezogen. Die große Königsgemahlin Nofretete behauptet sich in Kult und Staat fast gleichberechtigt neben A.; die Untertanen verrichten vor Hausaltären mit dem Bild der königlichen Familie ihre Andachten. Grundlegend ändert sich auch der Totenglaube. Ein Jenseits gibt es nicht mehr: Tod begreift man als sanfteste Form des Lebens im Diesseits, gewährt nur durch Gunst und Gnade des Königs. Nach dem 12. Jahr brechen die hist. Quellen ab. Im 17. Jahr stirbt der König. Nur wenige Jahre später kehrt man zum alten Glauben zurück. Die monotheistische Lehre des A. bleibt eine Episode.
ISSN:2405-8262
Contains:Enthalten in: Religion in Geschichte und Gegenwart online
Persistent identifiers:DOI: 10.1163/2405-8262_rgg4_SIM_00568