Assur

(keilschr. Aschschur), polit. und rel. Zentrum Assyriens (Mesopotamien), am Westufer des Tigris, nördlich der Mündung des Kleinen Zab gelegen. Die Stadt und ihr Gott trugen den gleichen Namen A., der auch auf das von der Stadt kontrollierte Gebiet und das gesamte ass. Reich übertragen wurde. Der nor...

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Main Author: Maul, S.M. (Author)
Format: Electronic Dictionary entry/article
Language:German
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Published: 2015
In: Religion in Geschichte und Gegenwart online
Year: 2015
Online Access: Volltext (lizenzpflichtig)
Volltext (lizenzpflichtig)
Description
Summary:(keilschr. Aschschur), polit. und rel. Zentrum Assyriens (Mesopotamien), am Westufer des Tigris, nördlich der Mündung des Kleinen Zab gelegen. Die Stadt und ihr Gott trugen den gleichen Namen A., der auch auf das von der Stadt kontrollierte Gebiet und das gesamte ass. Reich übertragen wurde. Der nordmesopotamische Stadtstaat A. gelangte bereits im ausgehenden 3. Jt. v.Chr. zu Bedeutung, als Kaufleute aus A. Handelskolonien in Anatolien gründeten und die Stadt zu großem Reichtum brachten. Im 18.Jh. v.Chr. führte Schamschi-Adad I. die Stadt A. als Kultzentrum seines obermesopotamischen Reiches zu einer kurzen Blüte. Nachdem die Stadtfürsten von A. im 14.Jh. v.Chr. Obermesopotamien und weite Teile Syriens erobert hatten (mittelass. Reich), wurde A. als Hauptstadt prächtig ausgebaut. In der Zeit des neuass. Weltreiches (9.Jh. – 612 v.Chr.) gab man A. zwar als Königsresidenz aus geopolit. Gründen zugunsten von Kalach und Ninive auf. Aber dennoch blieb die Stadt der einzige Sitz des Reichsgottes A. und somit rel. und kultischer Mittelpunkt Assyriens. A. wurde auch weiterhin mit großem Aufwand gepflegt und ausgebaut. Die ass. Könige verstanden sich als irdische Stellvertreter und Hohepriester des Gottes A., der als eigentlicher König Assyriens und als König der Götter der Welt galt. Auch in neuass. Zeit kamen die ass. Könige ihren priesterlichen Pflichten in A. nach. Sie legten vor ihrem Gott Rechenschaft ab über ihre Feldzüge, hielten sich im Frühjahr zur Durchführung des Neujahrsfestes für mehrere Wochen in A. auf und ließen sich dort bestatten. 614 v.Chr. wurde A. von den Medern eingenommen und zerstört. In parthischer Zeit (1.Jh. v.Chr. – 3.Jh. n.Chr.) gelangte A. erneut zu Bedeutung und der Kult des Gottes A. lebte wieder auf. Dank der Ausgrabungen der Dt. Orient-Gesellschaft unter W.Andrae (1903–1914) gehört A. zu den am besten erforschten Städten des AO. Gewaltige Festungswerke und die Akropolis mit dem A.-Tempel und der zugehörigen Zikkurat sowie die Tempel der Reichsgötter (die Doppeltempel des Mond- und des Sonnengottes; des Wetter- und des Himmelsgottes; der Ischtar-Tempel), Königspaläste, Wohnbezirke und das außerhalb der Stadt gelegene Neujahrsfesthaus wurden freigelegt. Bedeutende Funde von Tempel- und Priesterbibliotheken sowie von Privatarchiven geben Aufschluß über Rel., Geistes- und Alltagsleben der Assyrer.
ISSN:2405-8262
Contains:Enthalten in: Religion in Geschichte und Gegenwart online
Persistent identifiers:DOI: 10.1163/2405-8262_rgg4_SIM_01178