Chassidismus, ashkenasischer

(Chassidej Ashkenas), ist die traditionelle Bez. (auch von der modernen Forschung übernommen) für die Gruppen und Zirkel von Frommen, Esoterikern und Mystikern, die in Deutschland und Nordfrankreich in der 2.Hälfte des 12.Jh. und während des 13.Jh. ihre Blüte erlebte. Der bekannteste und einflußreic...

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Main Author: Dan, Jiali (Author)
Format: Electronic Dictionary entry/article
Language:German
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Published: 2015
In: Religion in Geschichte und Gegenwart online
Year: 2015
Online Access: Volltext (lizenzpflichtig)
Volltext (lizenzpflichtig)
Description
Summary:(Chassidej Ashkenas), ist die traditionelle Bez. (auch von der modernen Forschung übernommen) für die Gruppen und Zirkel von Frommen, Esoterikern und Mystikern, die in Deutschland und Nordfrankreich in der 2.Hälfte des 12.Jh. und während des 13.Jh. ihre Blüte erlebte. Der bekannteste und einflußreichste Kreis war derjenige der Kalonymus-Familie im Rheinland, in Worms und Speyer. Die originelle Kreativität dieses und anderer Zirkel im Bereich der sozialen und rel. Ethik, in Theol. und Mystik ist der charakteristischste, originäre Beitrag des dt. Judentums im MA zur gesamten jüd. Kultur. Der Sefer Chassidim, die große Sammlung ethischer Lehrsätze (ethische Literatur/Sifrut musar), gilt als das einflußreichste jüd. Werk aus dem ma. Deutschland. In seiner radikalen, extremen Auslegung ethischer und ritueller Forderungen wird manchmal sogar eine Trennung in verschiedene Wohnviertel und Ortschaften für die Frommen, die Chassidim, und die anderen, als Übeltäter bezeichneten, verlangt. Die Theologen dieser Kreise waren die ersten, die das Konzept der vielschichtigen göttlichen Welt in die jüd. Theol. einführten, in der die offenbarte Macht oder Mächte (gewöhnlich mit der göttlichen Glorie assoziiert, der kavod) verschieden sind von der höchsten Macht, dem Schöpfer. Sie leisteten dies unabhängig von den Kabbalisten in der Provence und in Spanien. Ihre Mystik (: III., 2.) drehte sich um die Sprache der Gebete, die als eine Widerspiegelung der kosmischen Harmonie betrachtet wurde, mit der sich der Betende vereinigen kann. Ihre exegetische Arbeit grenzte oft ans Mystische, z.B. wenn sie den höchsten göttlichen Namen interpretierten, das Tetragramm (JHWH). Einige Ideen und Begriffe dieser Esoteriker wurden akzeptiert und im späten 13.Jh. in die Lit. der Kabbala aufgenommen.
ISSN:2405-8262
Contains:Enthalten in: Religion in Geschichte und Gegenwart online
Persistent identifiers:DOI: 10.1163/2405-8262_rgg4_SIM_02871