Haggada

(aramaisierte Form Aggada), von hebr. נגד/ngd »erzählen«, »sagen« abgeleitet, wird schon in der ma. jüd. Tradition meist negativ als der nichtgesetzliche Zweig der rabb. Lit. definiert und als Komplementärbegriff zu Halakha verwendet. Im Hintergrund der H. steht der Stoff der HB, der – bald schlicht...

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Bibliographic Details
Main Author: Herrmann, K. (Author)
Format: Electronic Dictionary entry/article
Language:German
Check availability: HBZ Gateway
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Published: 2015
In: Religion in Geschichte und Gegenwart online
Year: 2015
Online Access: Volltext (lizenzpflichtig)
Volltext (lizenzpflichtig)
Description
Summary:(aramaisierte Form Aggada), von hebr. נגד/ngd »erzählen«, »sagen« abgeleitet, wird schon in der ma. jüd. Tradition meist negativ als der nichtgesetzliche Zweig der rabb. Lit. definiert und als Komplementärbegriff zu Halakha verwendet. Im Hintergrund der H. steht der Stoff der HB, der – bald schlicht nacherzählt, bald um viele neue Details ergänzt – in erbaulicher, paränetischer, verheißender oder sonstwie homiletischer Absicht dargeboten und auf die jeweiligen Lebensumstände hin gedeutet wird. Die Fülle der Einzelaussagen läßt sich nur schwer systematisieren. Themen, die immer wieder anklingen, sind jedoch das Bekenntnis zu dem einen und einzigen Gott, dem Schöpfer von Himmel und Erde, Israels Erwählung und Befreiung aus der Knechtschaft in Ägypten, die Gabe der Tora und ihre Bedeutung für die Gegenwart, wobei bibl. Gestalten entsprechend dem rabb. Ideal der Torafrömmigkeit gezeichnet werden. Die H. steht auch in bzw. stellt sich der Auseinandersetzung mit der Umwelt und weist den Weg, sich in einer heidnisch-christl. Umgebung zu behaupten, wie sie umgekehrt viele Elemente aus der Umwelt aufnimmt. Die äußere Form der H. läßt sich mit I. Heinemann in zwei Hauptrichtungen einteilen: 1. Die »schöpferische Geschichtsschreibung« gestaltet den bibl. Bericht über Begebenheiten und Personen aus, ergänzt dabei viele neue Details, macht nähere Angaben über Lebensverhältnisse bibl. Gestalten und auch rabb. Gelehrter, stellt genealogische Verknüpfungen her und sucht nach Motiven für Handlungsweisen von Personen und fragt nach Ursachen von Ereignissen. 2. Als »schöpferische Philologie« läßt sich jener Bereich der H. bezeichnen, in dem Satzstruktur, Wortstellung, Häufigkeit und Reihenfolge von Wörtern und Buchstaben, Zahlenwert von Buchstaben (Gematrie) etc. Grundlage der Deutung sind. Für den Umgang mit der Bibel wurden mit der Zeit auch feste hermeneutische Regeln aufgestellt. Im Laufe der Zeit wurde der Stoff der H. in größeren Textsammlungen zusammengefaßt (Midrash, die fünf Megillot, Talmud). Die Passa-H. (Feste/Feiern: III.), die sich in zahlreichen, vielfach kunstvoll gestalteten Hsn. und Drucken erhalten hat, vergegenwärtigt das Exodusgeschehen und wird am Sederabend vom Familienvater vorgelesen.
ISSN:2405-8262
Contains:Enthalten in: Religion in Geschichte und Gegenwart online
Persistent identifiers:DOI: 10.1163/2405-8262_rgg4_SIM_09227