Haran

Haran, Ḫarran, griech./lat. Karr(h)ai, moderne Ortschaft und großes Ruinenfeld bei Altınbaşak, ca.40 km süd-südöstlich von Canlıurfa in der Südosttürkei. – Im AT (Gen 11,26–31) Name eines Bruders des Abraham (: I.), Vater des Lot. Die Stadt H. ist Station auf seinem Wege von Ur nach Kanaan (Gen 11,3...

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Main Author: Röllig, W. (Author)
Format: Electronic Dictionary entry/article
Language:German
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Published: 2015
In: Religion in Geschichte und Gegenwart online
Year: 2015
Online Access: Volltext (lizenzpflichtig)
Volltext (lizenzpflichtig)
Description
Summary:Haran, Ḫarran, griech./lat. Karr(h)ai, moderne Ortschaft und großes Ruinenfeld bei Altınbaşak, ca.40 km süd-südöstlich von Canlıurfa in der Südosttürkei. – Im AT (Gen 11,26–31) Name eines Bruders des Abraham (: I.), Vater des Lot. Die Stadt H. ist Station auf seinem Wege von Ur nach Kanaan (Gen 11,31; 12,4 f.), Wohnort des Laban, Bruders der Rebekka, zu dem Jakob (: I.) flieht (Gen 27,43). – Die an einem bevorzugten Handelsweg (vgl. Ez 27,23) durch das Tal des Balich nach Anatolien gelegene Stadt war schon in der 2. Hälfte des 3.Jt. v.Chr. nach Ausweis der Ebla-Texte Zentrum eines selbständigen Staates. Aus der Zeit der Mari-Korrespondenz (18.Jh. v.Chr.) ist sein König Asditakim bekannt. Der Tempel des Mondgottes Sîn von H. (neben Nuska Hauptgott der Stadt) wurde jetzt erstmals genannt. Später gehörte H. zum Staat von Mitanni. Salmanassar I. (1273–1244) okkupierte es für Assyrien. Tiglat Pileser I. jagte um 1100 v.Chr. nahe H. syr. Elephanten. In neuass. Zeit war H. von Assyrien unterworfen (2Kön 19,12) und Sitz eines Statthalters (H.-Census). 612 wurde es nach dem Fall von Ninive unter Aššur-uballiṭ II. für kurze Zeit Hauptstadt, dann trotz Hilfe aus Ägypten bab. Nabonid (555–539) baute den zerstörten Tempel Eḫulḫul des berühmten Mondgottes (»mein Herr« ist der »Herr von H.«, z.B. bei Barrākib von Sam'al, s. KAI 218) wieder auf. – 53 v.Chr. wurde Marcus Licinius Crassus bei H. von den parthischen Truppen Orodes' II. (57–38 v.Chr.) vernichtend geschlagen, am 8.4.216 n.Chr. Caracalla auf dem Wege zum Orakel des Mondgottes von H. ermordet. Die Stadt blieb lange heidnisch. So bereitete z.B. Julian Apostata am 18.3.363 dem Sîn ein mehrtägiges Opferfest. In musl. Zeit war H. Zentrum des Astralkultes der Sekte der Ṣābier.
ISSN:2405-8262
Contains:Enthalten in: Religion in Geschichte und Gegenwart online
Persistent identifiers:DOI: 10.1163/2405-8262_rgg4_SIM_09328