Haustafel

. Der Terminus »H.« bez. eine Liste der verschiedenen Pflichten und Verantwortlichkeiten, die für die Mitglieder einer Hausgemeinschaft gelten. Solche Listen erscheinen in ethischen Schriften der Antike und beinhalten das angemessene Verhalten gegenüber den Göttern, dem Staat, Freunden, anderen Mitg...

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Main Author: Fitzgerald, J.T. (Author)
Format: Electronic Dictionary entry/article
Language:German
Check availability: HBZ Gateway
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Published: 2015
In: Religion in Geschichte und Gegenwart online
Year: 2015
Online Access: Volltext (lizenzpflichtig)
Volltext (lizenzpflichtig)
Description
Summary:. Der Terminus »H.« bez. eine Liste der verschiedenen Pflichten und Verantwortlichkeiten, die für die Mitglieder einer Hausgemeinschaft gelten. Solche Listen erscheinen in ethischen Schriften der Antike und beinhalten das angemessene Verhalten gegenüber den Göttern, dem Staat, Freunden, anderen Mitgliedern der Hausgemeinschaft und Außenstehenden. Inhalt, Form und Funktion variieren stark; H. finden sich in den ungeschriebenen Gesetzen der griech. Volkskultur (Aisch. Supplices 701–709), in verschiedenen philos. Traditionen (Cic.off. 1,17,58; Sen.ep. 94,1; Ps-Plut. Moralia 7e; Hierocles Stoicus), hell.-jüd. Texten (Flav.Jos.Apion. 2,190–210; Philo decal. 165–167; Ps-Phokylides 175–227) und in der frühchristl. Lit. (1Clem 21,6–9; Did 4,9–11). Man hat den Ursprung der H. in der griech. Weisheitstradition (Weisheit), im Stoizismus, im hell. Judentum und gar im frühen Christentum selbst gesucht; die am ehesten überzeugende These führt sie im wesentlichen auf hell. Erläuterungen zur Haushaltsführung zurück, insbes. in der von Aristoteles (pol. I 1253b1–14) begründeten und von den Peripatetikern und Neupythagoreern (Pythagoreer) weiterentwickelten Form. Die ältesten christl. Beispiele für H. sind Kol 3,18–4,1; Eph 5,21–6,9 und 1Petr 2,13–3,12, die allesamt die patriarchalische Organisation griech.-röm. Haushalte widerspiegeln, diese zugleich aber in gewisser Hinsicht kritisieren. Ihre (paränetische, apologetische, antihäretische usw.) Funktion im lit. Kontext ist umstritten. Während die Rezeption der H. im NT Ausdruck der theol. Überzeugung ist, daß sich das neue Leben in Christus im Rahmen bestehender Gesellschaftsordnungen vollziehen soll, haben sich völlig gegensätzliche Einschätzungen der H. bzgl. ihrer Wirkungsgesch. und ihrer gegenwärtigen Bedeutung daraus ergeben, daß sie die Institution der Sklaverei und die untergeordnete Stellung der Frau (: III.) befürworten. In enger Beziehung zur H. steht die Gemeindetafel, die Anweisungen für die unterschiedlichen Gruppen innerhalb der Gemeinde enthält; dabei wird die Kirche als Haushalt Gottes verstanden (1Tim 2,1–2.8–15; 5,1–8; 6,1–2; Tit 2,1–10; 3,1–2; 1Clem 1,3; IgnPol 4,1–6,1; Polyk 4,2–6,3).
ISSN:2405-8262
Contains:Enthalten in: Religion in Geschichte und Gegenwart online
Persistent identifiers:DOI: 10.1163/2405-8262_rgg4_SIM_09393