Henoch

, hebr. חֲנוֹך/Ḥanôḥ, griech. 'Ενω´χ/Enōch, ist nach der in Gen 4,17 f. überlieferten, in der Bibelwiss. dem Jahwisten (Pentateuch) zugeschriebenen Quelle Sohn des Kain, nach dessen Namen sein Vater eine Stadt benennt, wohingegen er nach der P (Gen 5,1 ff.) als Sohn Jareds und Vater Methusalems...

Full description

Saved in:  
Bibliographic Details
Main Author: Herrmann, K. (Author)
Format: Electronic Dictionary entry/article
Language:German
Check availability: HBZ Gateway
Interlibrary Loan:Interlibrary Loan for the Fachinformationsdienste (Specialized Information Services in Germany)
Published: 2015
In: Religion in Geschichte und Gegenwart online
Year: 2015
Online Access: Volltext (lizenzpflichtig)
Volltext (lizenzpflichtig)
Description
Summary:, hebr. חֲנוֹך/Ḥanôḥ, griech. 'Ενω´χ/Enōch, ist nach der in Gen 4,17 f. überlieferten, in der Bibelwiss. dem Jahwisten (Pentateuch) zugeschriebenen Quelle Sohn des Kain, nach dessen Namen sein Vater eine Stadt benennt, wohingegen er nach der P (Gen 5,1 ff.) als Sohn Jareds und Vater Methusalems von Seth abstammt (der Name auch in Gen 25,4; 1Chr 1,33: Sohn Midians, Enkel Abrahams; Ex 6,14; 1Chr 5,3: ältester Sohn Rubens, Enkel Jakobs; Num 26,5: Ahnherr der Henochiter). In der Genealogie von Gen 5 heißt es von H.: »Die gesamte Lebenszeit des H. betrug 365 Jahre. Und H. wandelte mit Gott. Und er war nicht mehr da; denn Gott hat ihn hinweggenommen«. Sah man früher in dem an siebenter Stelle der babylonischen Urkönigsliste genannten Enmeduranki das direkte Vorbild für den bibl. H. (=siebenter nach Adam), so geht man heute eher von allg. in der Umwelt Israels begegnenden Vorstellungskomplexen aus. In der jüd. Tradition gab diese kryptische Textstelle weitreichenden Spekulationen wie zu schroffen Polemiken Anlaß. In Sir 44,16 wird er zum Vorbild der »Erkenntnis« (דעה) erklärt, wobei die griech. Übers. der Textstelle ihn zu einem Beispiel für »Umkehr« (μετα´νοια/metánoia) werden läßt; nach dem Hebr 11,5 wird er aufgrund seines »Glaubens« entrückt. Jub 4,17 f. nennt ihn den Begründer des solaren Kalenders (wozu ihn seine 365 irdischen Lebensjahre prädestinieren) und schreibt ihm die Erfindung von Schrift und Weisheit zu. Bes. Bedeutung hatte H. auch für die Gemeinschaft von Qumran wie das GenAp und zahlreiche Textfrgm. des apokalyptischen 1Hen (Henochbücher) zeigen. In der Apokalyptik (: III., 1.) spielt H. überhaupt eine zentrale Rolle, wobei ihm mehrere Bücher zugeschrieben werden, in denen er als Himmelsreisender (Himmelfahrt: VI.) und zum höchsten Engel verwandelter Mensch, als Offenbarungs-, Visions- und Weisheitsempfänger, als Lehrer der himmlischen und endzeitlichen Begebenheiten sowie Deuter von Träumen, als Schreiber der himmlischen Bücher und Ermahner der Menschen, schließlich auch als himmlischer Hohepriester fungiert. In seiner Person kristallisieren sich damit die für die Apokalyptik grundlegenden Themen. Anklänge an diese H.-Überlieferungen finden sich in der rabb. Lit. in dem Midrash PRE 8 (Interkalation des Kalenders), in den Überlieferungen, die seine besondere Weisheit und außerordentliche Gerechtigkeit betonen (DES 1 Ende, CN und TPsJ zu Gen 5,24), sowie in jenen Texten, in denen H. mit dem Engelfürsten Metatron identifiziert wird (TJ zu Gen 5,24; s.a. BemR 12,12 und 3Hen; Engel: IX.). Auf der anderen Seite wird in der rabb. Tradition auch gegen ihn polemisiert: Nach BerR 25,1 wurde er in die Bücher der Frevler eingetragen bzw. behauptet, er sei ein Gerechter und auch ein Frevler gewesen; TO zu Gen 5,24 schreibt ausdrücklich, daß er gestorben sei, womit offensichtlich die mit seiner Person verbundenen weitreichenden esoterischen und apokalyptischen Spekulationen abgewehrt werden sollen. In den Schriften der Kirchenväter werden vereinzelt Motive der H.bücher aufgenommen, insg. wird v.a. H.s Gerechtigkeit betont, die auch in Abgrenzung zum Judentum als Beispiel dafür gesehen wird, daß der Mensch ohne Beschneidung und Toragehorsam vor Gott gerecht werden kann; zudem wird seine Entrückung auf die Auferstehungshoffnung hin gedeutet, die dann von Jesu Aufstieg zum Himmel überboten wurde. In Ägypten blieb die H.gestalt durch die Rezeption des 1Hen bekannt, von wo aus dieses Werk in die äth. Kirche Eingang fand.
ISSN:2405-8262
Contains:Enthalten in: Religion in Geschichte und Gegenwart online
Persistent identifiers:DOI: 10.1163/2405-8262_rgg4_SIM_09619