Hieros Gamos

(Heilige Hochzeit). Der Begriff H.G., eine Übers. des griech. ι῾ερο`ς γα´μος, wurde urspr. auf den im homerischen Epos geschilderten Geschlechtsverkehr zw. Demeter und dem sterblichen Iason (Hom.Od. 5, 125–128) angewandt und von der religionsgesch. Forschung im 19.Jh. auf vergleichbare Riten in Grie...

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Main Author: Pongratz-Leisten, B. (Author)
Format: Electronic Dictionary entry/article
Language:German
Check availability: HBZ Gateway
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Published: 2015
In: Religion in Geschichte und Gegenwart online
Year: 2015
Online Access: Volltext (lizenzpflichtig)
Volltext (lizenzpflichtig)
Description
Summary:(Heilige Hochzeit). Der Begriff H.G., eine Übers. des griech. ι῾ερο`ς γα´μος, wurde urspr. auf den im homerischen Epos geschilderten Geschlechtsverkehr zw. Demeter und dem sterblichen Iason (Hom.Od. 5, 125–128) angewandt und von der religionsgesch. Forschung im 19.Jh. auf vergleichbare Riten in Griechenland und im AO übertragen (J.G.Frazer). – Frazer, Vertreter der Myth and Ritual School, wie auch Albert Klinz und M.P.Nilsson verbanden mit der H.G. jeglichen im Mythos und Kultus verankerten Geschlechtsverkehr und suchten ihre Bedeutung in der Stimulation der Fruchtbarkeit. In der Assyriologie assoziierten Erich Ebeling und Anton Moortgat zusätzlich im Kontext des Dumuzi-Kults das Mythologem von dem sterbenden und auferstehenden Gott, der durch seine Hochzeit symbolisch die Erneuerung allen Lebens vollzieht. – Die Klassifikation über die Teilnehmer in Kosmogamien als Aitiologien für Schöpfungsakte in der Urzeit (z.B. An und Ki »Himmel« und »Erde«), Theogamien (z.B. Ningirsu und Baba, Marduk und Zarpanītu) und Hierogamien (Gottheit und Mensch) schließt unzulässige Vermischungen von Ritual und Mythos aus. – Im AT sind mit Ausnahme von Gen 6,1–4 (= Hierogamie) keine Zeugnisse einer H.G. belegt. Die lit. Tradition verankert die Anfänge des sum. Rituals in Uruk, das nur in Kultliedern der Herrscher der Ur III- und Isin-Zeit (21. – 20.Jh. v.Chr.) als Legitimationsritual bei Regierungsantritt belegt ist, dessen zentrale symbolische Handlungen die Reinigung der Kultteilnehmer (männliche Prostituierte, alte Frauen, Tempelpersonal der Inanna), Opfer, Schicksalsbestimmung und H.G. zw. König und Inanna sind.
ISSN:2405-8262
Contains:Enthalten in: Religion in Geschichte und Gegenwart online
Persistent identifiers:DOI: 10.1163/2405-8262_rgg4_SIM_09812