Marius Victorinus und die römische Liturgie – Bemerkungen zu drei Zitaten in Adversus Arium 1,30.31; 2,8

Eine genaue Untersuchung und Einordnung von zwei Zitaten aus der Liturgie im Werk des Marius Victorinus zeigt, dass dieser entgegen der von Klauser formulierten communis opinio kein Zeuge dafür ist, dass die Liturgie Roms in der Mitte des vierten Jahrhunderts noch grundsätzlich auf Griechisch gefeie...

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Bibliographic Details
Main Author: Zacher, Florian (Author)
Format: Electronic Article
Language:English
Check availability: HBZ Gateway
Interlibrary Loan:Interlibrary Loan for the Fachinformationsdienste (Specialized Information Services in Germany)
Published: 2025
In: Zeitschrift für antikes Christentum
Year: 2025, Volume: 29, Issue: 1, Pages: 60-84
Further subjects:B Homoians
B Liturgiesprache
B Origenes
B Marius Victorinus
B Trinitarischer Streit
Online Access: Volltext (lizenzpflichtig)
Volltext (lizenzpflichtig)
Description
Summary:Eine genaue Untersuchung und Einordnung von zwei Zitaten aus der Liturgie im Werk des Marius Victorinus zeigt, dass dieser entgegen der von Klauser formulierten communis opinio kein Zeuge dafür ist, dass die Liturgie Roms in der Mitte des vierten Jahrhunderts noch grundsätzlich auf Griechisch gefeiert wurde. Das griechische Zitat aus der Liturgie in Adversus Arium 2,8 wird in diesem Beitrag in den Argumentationskontext gegen lateinische Homöer eingeordnet und erscheint vielmehr als Beleg für ein Nebeneinander der Liturgiesprachen in Rom. Die homöischen Gegner des Victorinus lehnen Griechisch als Sprache von Kirche und Theologie grundsätzlich ab und kennen keinen griechischen Gottesdienst in Rom mehr. Eine solche Gruppe ist in anderen Texten nicht fassbar, daher ist Adversus Arium 2 eine wichtige Schrift zur Rekonstruktion der homöischen Bewegung im Westen. Es wird plausibel gemacht, dass Victorinus die griechische Liturgie in Adversus Arium 1,30 selbst ins Lateinische übersetzt und für die Übersetzung und Ausdeutung des zitierten liturgischen Fragments auf exegetische Überlegungen des Origenes zu Mt 6,11; Tit 2,14 und Joh 6 zurückgreift. In Adversus Arium 1,30 liegt damit kein Beleg für eine lateinische Liturgie vor, die zum gottesdienstlichen Gebrauch aus dem Griechischen übersetzt worden wäre. Ferner wird ein bisher nicht zugeordnetes Zitat in Adversus Arium 1,31 vor dem Hintergrund einer Parallele in einer äthiopischen Liturgie als weiteres Fragment einer römischen Liturgie angesprochen. Der theologische Gehalt dieses Fragments lässt es wahrscheinlich erscheinen, dass Victorinus in seiner Trinitätstheologie punktuell an die gottesdienstliche Praxis rückgebunden ist. Insgesamt werden aus diesen Beobachtungen wertvolle Ergebnisse für die Geschichte der römischen Liturgie und für die Einordnung des Victorinus gewonnen: In Rom sind schon Mitte des vierten Jahrhunderts verschiedensprachige Liturgien vorauszusetzen und keine Sprachreform durch Damasus anzunehmen. Die bei Victorinus fassbaren lateinischen Homöer könnten aber auch ein Motor für die feststellbare fortschreitende Latinisierung der römischen Kirche Ende des vierten Jahrhunderts gewesen sein, da sie Griechisch insgesamt abgelehnt haben. Mit dem bisher nicht zugeordneten Zitat in 1,31 liegt möglicherweise ein neues Bruchstück einer römischen Liturgie um 360 vor. Victorinus erscheint durch diese Untersuchung stärker an kirchliche Institutionen angebunden, als die ältere Forschung sehen konnte. Ebenso zeigt sich, dass er gegen die Einschätzung der älteren Forschung direkt oder indirekt Origenes rezipiert hat.
ISSN:1612-961X
Contains:Enthalten in: Zeitschrift für antikes Christentum
Persistent identifiers:DOI: 10.1515/zac-2025-0004